Radioaktivität im Alltag?

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Schuljahr 2007/2008

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Eine Kooperation des Forschungszentrums Karlsruhe mit der RSL


Dem Uran in der Glasur auf der Spur

Radioaktivität ist allgegenwärtig, auch wenn man sie mit den Sinnesorganen nicht wahrnehmen kann. Radioaktive Stoffe senden ionisierende Strahlen aus, die Lebewesen schädigen können. Wie erkennt man solche Strahlen? Kann man sie sichtbar machen? Wie gefährlich sind sie? Wie gelangen radioaktive Stoffe in den Körper? Wie kann man sich schützen? Haben wir radioaktive Gefahrenquellen zu Hause?

Die Relevanz des Themas erschöpft sich jedoch keineswegs bei den gesundheitlichen Folgen, sondern hat auch eine politische Dimension: Sollen wir in Deutschland unseren Elektrizitätsbedarf verstärkt aus Kernkraft decken, wo doch fossile Energieträger zur Neige gehen und der Treibhauseffekt das Gesicht unseres Planeten verändert? Wie und wo entsorgt man radioaktive Abfälle? Welche Ursachen sind für die radioaktive Belastung auf der Erde verantwortlich? … An diesen Fragen kommt ein mündiger Bürger in unserer Demokratie kaum vorbei, will er verantwortlich an politischen Prozessen teilnehmen.

 

Anknüpfpunkte bieten Kernwaffentests und Reaktorkatastrophen, wie z.B. Tschernobyl 1986, die sich zwar großteils lange vor Geburt derzeitiger Schülerjahrgänge ereigneten, deren Auswirkungen auch gegenwärtig von Bedeutung sind. Mehr als 20 Jahre nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl sind einige der freigesetzten radioaktiven Stoffe (z.B. Cs-137) noch nicht einmal zur Hälfte zerfallen, also verschwunden. Über die Nahrungskette (Waldpilze, Wildschweine usw.) gelangen diese Radionuklide in unseren Körper.


Norbert Mertens erklärt die Messgeräte

Seit dem Schuljahr 2007/08 nehmen alle Klassen der Stufe 9 an einem eintägigen Kurs des FZK/FTU (For­schungszentrum Karlsruhe/Fortbildungszentrum Tech­nik und Umwelt) teil. Radioaktive Stoffe müssen dann in der RSL nicht mehr bereit gehalten werden, was das Gefährdungspotential herabsetzt und gleichzeitig die erstklassige Ausstattung des FZK/FTU nutzt.

Die Grundbegriffe bereitet der Physikunterricht in Absprache mit der Kursleitung des FTU vor.

Die Kursinhalte planen Lehrer der RSL (Torsten Eggert) und der Kursleiter des FTU (Norbert Liebe) in gemein­samen Treffen. Der Erfolg des Kurses wird evaluiert und gemeinsam ausgewertet. Somit handelt es sich bei dieser Kooperation nicht um eine „gebuchte“ Veran­staltung „von der Stange“, sondern um ein maßge­schneidertes Lernangebot an unsere Schülerinnen und Schüler. Durch diesen regelmäßigen Austausch wird die Qualität ständig weiterentwickelt.

Als wesentliche Programmpunkte sind zu nennen

  • Ionisierende Strahlung wird sichtbar: Nebelkammer
  • Einführung in die Messtechnik ionisierender Strahlung: Vortrag mit Demo
  • Praktiku m: Messung von a -, b - und g - Strahlung bei Alltagsgegenständen
  • Praktikum: Messung und Unterscheidung von verschiedenen Strahlenquellen
  • Hintergrundinformationen zur Kernenergie: Besichtigung des Reaktormuseums im stillgelegten Forschungsreaktor FR2
  • Arb eitssicherheit: Schutzkleidung beim Umgang mit radioaktiven Stoffen


Im Gruppengespräch wird der Wissensdurst gelöscht

Die Fragen zur Evaluation erarbeiteten alle Schülerinnen und Schüler der jetzigen Klasse 10d, die letztes Schuljahr eine Pilotfunktion übernommen und das Programm erstmalig durchlaufen hat. Neben Fragen zur Qualität aller Programmpunkte wird bei dieser Evaluation besonderer Wert auf die Perspektive der Teilnehmer gelegt:

  • Würdest du diesen Lehrgang weiter empfehlen?
  • Waren die Mitarbeiter des FTU freundlich?
  • War der Stoff schülergerecht dargestellt?
  • Hat der Lehrgang dein fachliches Wissen gefördert?
  • Wie hoch war dein Spaßfaktor?
  • Hast du dich sicher gefühlt (Radioaktivität!!)?


Uran im Schotter der Wanderwege?

Unsere erste Teilnehmergruppe konnte unserer Kooperation gute Noten bescheinigen. Selbst Schüler, die sich für dieses Thema nach eigener Darstellung überhaupt nicht interessiert hatten, konnten die Qualität des Kurses würdigen.


Vollschutz

 

Der Lerngang in das FZK bietet ferner die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme besonders interessierter und mathematisch-naturwissenschaftlich begabter Schülerinnen und Schüler: Der Kursleiter Norbert Liebe betreut auch kleine Schülergruppen, die an eigenen Fragestellungen zur Radioaktivität forschen. Eine erste Gruppe der Klasse 10d machte ein Praktikum, das als Teil der sogenannten Fachinternen Überprüfung des Fachs NWA (Naturwissenschaftliches Arbeiten) gezählt wurde – immerhin ein Drittel der Zeugnisnote. Die Gruppe wurde vom Fachlehrer Torsten Eggert in Schule und im FZK und von Norbert Liebe im FZK/FTU begleitet. Ihre Messungen führten die Schüler im FZK/FTU durch. Die Forschungsarbeit gipfelte in einer Präsentation vor der Klasse.


Hintergrundwissen wird auch über Vorträge vermittelt


Die Schaltwarte eines Kernkraftwerks (FR2)

Jetzt kann nichts mehr passieren!

Neben der beruflichen Vorbereitungen im Rahmen der BORS (siehe dort) ermöglicht diese Kooperation unseren Schülern einen Blick auf inhaltliche und methodische Arbeitsweisen von Naturwissenschaftlern bei einer engen Verzahnung mit schulischem Wissenserwerb.

Es bleibt zu hoffen, dass die nicht unerheblichen finanziellen Mittel für solche Kurse auch künftig für unsere Realschüler von Bund und Land zur Verfügung gestellt werden.


Vollschutz

Torsten Eggert

zum Forschungsprojekt "Killerpilze"

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